Ein Interview mit Markus Scharmann über die Rolle der Info-Stewards

Das Projekt der „Info-Stewards“, welches unterstützt wird von der Stiftung Deutscher Pferdesport, wurde im vergangenen Jahr weiter ausgebaut. Die Ansprechpartner auf Turnieren erklären Abläufe, ordnen Situationen ein und fördern den Dialog zwischen Sport, Publikum und Medien. Warum diese Rolle zunehmend an Bedeutung gewinnt und welches Potenzial sie für die Zukunft des Pferdesports hat, erläutert Markus Scharmann, Leiter des Bundesstützpunkts Warendorf und Leiter Spitzensport, im Interview.

Was macht die Rolle der Info-Stewards aus Ihrer Sicht heute so wichtig?

Markus Scharmann:Der Pferdesport steht heute stärker im öffentlichen Fokus als je zuvor. Viele Menschen schauen genauer hin, stellen Fragen, sind kritischer. Genau hier setzen die Info-Stewards an. Sie schaffen Nähe, Transparenz und erklären, was auf dem Vorbereitungsplatz tatsächlich passiert.
Als Mittler zwischen Reitern, Stewards und Zuschauern helfen sie dabei, Abläufe verständlich zu machen: Wie werden Pferde gearbeitet? Wie reagiert ein Pferd auf bestimmte Situationen? Woran erkennt man, ob es ihm gut geht? Gleichzeitig erklären sie auch, dass Verantwortung übernommen wird, dass Stewards eingreifen, Gespräche führen und korrigieren, wenn etwas nicht passt – auch wenn das von außen oft gar nicht sichtbar ist.
Die Info-Stewards sind ansprechbar, hören zu, erklären Regelwerke, ordnen Situationen ein und nehmen Sorgen ernst. Je offener und transparenter wir kommunizieren, desto eher entsteht Verständnis. Das ist heute wichtiger denn je, um Fehlinterpretationen und vorschnelle Urteile zu vermeiden.

Gab es bereits Rückmeldungen oder Begegnungen, bei denen Sie gemerkt haben: Das macht wirklich einen Unterschied?

Markus Scharmann:Ja, definitiv – und zwar in alle Richtungen. Zuschauer kommen mit konkreten Beobachtungen auf uns zu, etwa wenn sie das Gefühl haben, ein Pferd laufe zu eng oder ein Reiter hätte „schöner“ reiten können. In solchen Momenten können wir erklären, was bereits angesprochen wurde oder wie die Körpersprache des Pferdes tatsächlich zu lesen ist.
Gleichzeitig erleben wir auch viel Rückhalt von Reitern und Pflegern. Sie empfinden es als positiv, dass jemand vermittelt und einordnet. Denn oft geraten alle schnell unter Generalverdacht – auf beiden Seiten. Ein Zuschauer filmt, ein Reiter fühlt sich beobachtet, dabei wollte jemand vielleicht einfach nur einen schönen Moment festhalten. Wenn wir dann ins Gespräch gehen, entstehen Verständnis und Entspannung.
Diese vermittelnde Rolle, dieses Erklären und Einordnen, ist der Kern der Info-Stewards. Es geht darum, gegenseitiges Verständnis zu schaffen und klar Stellung zu beziehen, wenn es nötig ist – immer im Sinne des Pferdewohls.

Das Projekt wurde 2025 auf weitere große Turniere ausgeweitet. Wo sehen Sie künftig noch Potenzial?

Markus Scharmann: Gerade bei Turnieren mit großer Öffentlichkeit sehen wir enormes Potenzial. Die Rückmeldungen zeigen klar: Es braucht feste Ansprechpartner vor Ort, die erklären, informieren und vermitteln.
Langfristig sollte diese Rolle systematisch mitgedacht werden – es kam bereits der Wunsch, Info-Stewards auf allen internationalen Turnieren anzudenken. Veranstaltungen, die viele Menschen anziehen, brauchen genau diese Form der Kommunikation. Die Info-Stewards können helfen, Fragen zu beantworten, Spannungen abzubauen und Vertrauen zu stärken.

Wenn Sie noch weiter in die Zukunft denken: Welche Rolle können die Info-Stewards für das Vertrauen in den Pferdesport spielen?

Markus Scharmann: Ich bin überzeugt: Offenheit ist der Schlüssel. Je transparenter und erklärender wir auftreten, desto größer ist die Akzeptanz. Turniersport bedeutet, sich Woche für Woche der Öffentlichkeit zu stellen – und genau darin liegt auch eine Chance.
Der Turnierplatz kann mehr sein als nur Wettkampfstätte. Er kann auch Lernort sein: für junge Reiter, Trainer, Eltern oder Auszubildende. Ein Beispiel dafür war die Aktion beim Bundeschampionat, bei der Azubis Stewards über die Schulter schauen konnten und Einblicke in Abläufe, Gespräche und Entscheidungen bekamen.
Die Info-Stewards sind dafür ein erster, wichtiger Schritt. Sie erklären nicht nur – sie regen zum Nachdenken an. Und wer Dinge versteht, betrachtet sie differenzierter. Wenn wir diesen Ansatz weiterdenken, liegt darin großes Potenzial – nicht nur bei internationalen Events, sondern gerade auch auf kleineren Turnieren.

Foto: Info-Stewards, hier beim CHIO-Aachen im Einsatz. © FN/Nina Böker

Markus Scharmann

Markus Scharmann, Leiter des Bundesstützpunkts und selbst oft als Info-Stewards auf den Turnieren im Einsatz. © M. Kaup

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